Salvador Dalí

Salvador Dalí (1904–1989) ist mit Sicherheit einer der interessantesten Künstler des 20. Jh. Sowohl sein Leben als auch sein Werk ist voll von Reizpunkten, die so gut wie niemanden unberührt lassen. Dabei reicht die Bandbreite von vollkommener Verachtung bis hin zu grenzenloser Verehrung.

Seine Vita:

1904: Am 11. Mai wird Salvador Filipe Jacinto Dalí y Domènech in Figueras in der Provinz Katalonien als zweiter Sohn des Notars Salvador Dalí y Cusí und seiner Frau Felipa Domènech geboren. Der Junge bekommt, wie sein mit 23 Monaten kurz zuvor verstorbener Bruder, den Vornamen Salvador. 4 Jahre später wird seine Schwester Ana Maria geboren.

1914–1918: Dalí ist Mitglied der städtischen Mal- und Zeichenschule in Figueras. Der Künstler und Kunstlehrer Juan Nunez Fernandez erkennt Dalís Talent und fördert ihn. Sein Talent wird bei einer Gruppenausstellung im Stadttheater von Figueras von den Kritikern gefeiert. Er veröffentlicht in Lokalzeitschriften mehrere Artikel über die großen Meister der Malerei sowie eigene Gedichte.

1921: Im Februar des Jahres stirbt Dalís Mutter. Im Oktober wird Dalí an der Kunsthochschule San Fernando in Madrid aufgenommen. Er wohnt in dem Studentenwohnheim „Residencia de Estudiantes“, wo er sich mit Federico Garcia Lorca und Luis Buñuel anfreundet.

1926: Während seiner ersten Reise nach Paris trifft Dalí Picasso in dessen Werkstatt. Dieser bestärkt ihn in seinem Schaffen. Dalí lehnt die Prüfungsthemen der Abschlussprüfung der Akademie ab und proklamiert das Lehrerkollegium für unfähig, ihn, den Künstler, zu bewerten. Am 20. Oktober wird er auf einen königlichen Erlass hin endgültig von der Kunsthochschule in Madrid verwiesen.

1928: Auf einer erneuten Reise nach Paris wird Dalí von Joan Miro in den Kreis der Surrealisten eingeführt.

1929: Buñuel und Dalí drehen den Film „Ein andalusischer Hund“, der ihre offizielle Aufnahme in die Pariser Surrealistengruppe markiert. Im Sommer des Jahres verbringen die Ehepaare Eluard, Magritte, Goemans und Buñuel ihre Ferien bei Dalí in Cadaques. Gala Eluard und Dalí verlieben sich und werden ein Paar.

1930: Er entwickelt erste Ansätze der paranoisch-kritischen Methode. In der Zeitschrift „Le Surréalisme au service de la révolution“ erscheint „Der Eselskadaver“; bei den „Editions surréalistes“ erscheint „Die sichtbare Frau“. Er illustriert Texte von Andre Breton, Paul Eluard und Tristan Tzara. Dalí kauft in Port Lligat bei Cadaqués eine Fischerhütte, die Gala und er von nun an große Teile des Jahres bewohnen. Die Verbindung mit Gala führt zum Bruch mit seinem Vater, der gegen die Beziehung ist. Rechtsextreme Gruppen zerstören bei der Vorführung des Films „Das goldene Zeitalter“ von Buñuel und Dalí das Kino. Die Vorführung des Films durch den Bund der Nationalisten verboten.

1934: Gala und Dalí heiraten standesamtlich. Erste Auseinandersetzungen mit den Surrealisten und André Breton. Das Ehepaar Dalí fährt in diesem Jahr zum ersten Mal nach Amerika. Die Reisekosten werden von Picasso übernommen. Dalís Ausstellung in New York erfährt einen triumphalen Erfolg.

1935: Dalí schreibt über seine paranoisch-kritische Methode in „La conquête de l’irrationel“ („Die Eroberung des Irrationalen“). Ein Jahr später erscheint er auf der Titelseite der Zeitschrift „Time“, die ihm große Popularität verschafft.

1938: Dalí besucht auf Vermittlung Stefan Zweigs den großen Psychoanalytiker Sigmund Freud in London. Er zeigt ihm sein Werk „Die Metamorphose des Narziss“, das er im Jahr zuvor als eine umfassende Anwendung der paranoisch-kritischen Methode parallel gemalt und geschrieben hat, und zeichnet mehrere Porträts von ihm. Freud ist äußerst angetan von dem jungen Künstler.

1939: Es kommt zum endgültigen Bruch mit der Gruppe der Surrealisten und André Breton, der später aus Dalís Namen das Anagramm „Avida Dollars“ (Gierig nach Dollars) prägt. ln den Vereinigten Staaten veröffentlicht Dalí die Schrift „Die Unabhängigkeitserklärung der Phantasie“ und die „Erklärung der Rechte des Menschen auf seine Verrücktheit“. Dalí gestaltet für das große Kaufhaus Bonwit Teller auf der 5th Avenue in New York ein Schaufenster, das er nach einer unabgesprochenen Änderung des Entwurfs zerschlägt.

1940–1948: Dalí und Gala leben im Exil in Amerika.

1945: Dalí entwirft die Traumszene im Auftrag Alfred Hitchcocks für dessen Film „Spellbound“. Er veröffentlicht die erste Ausgabe seiner Zeitung, der „Dalí-News. Monarch of the Dailies“.

1946: Dalí zeichnet mehrere Entwürfe für ein Trickfilmprojekt mit dem Namen „Destino“ mit Walt Disney. Der Film wird jedoch erst 2004 von einem Enkel Disneys realisiert.

1949: Zur Vorbereitung seiner Privataudienz bei Papst Pius XII. und im Anschluss daran beschäftigt sich Dalí vorwiegend mit religiösen und mystischen Sujets. Dazu gehören 102 Aquarelle mit Illustrationen zu Dantes "Göttlicher Komödie" (1950–1952, 1952 ausgestellt in Spanien und 1954 in Italien und den USA)

1952: Dalís Vater stirbt. Es ist die Zeit seiner so genannten nuklearen Mystik.

1956: Auf Drängen des Pariser Verlegers Foret entsteht Dalís erstes lithographisches Werk „Don Quichotte de la Mancha“, bei dem er die Technik der Lithografie revolutionierte, in dem er u.a. die Lithosteine mit Rhinozeroshörnern und Arkebusen im Rahmen diverser Happenings bearbeitet. Dalís Buch „Les cocus du vieil art moderne“ (Die Hahnreie der uralten modernen Kunst) erscheint in Paris.

1958: Dalí und Gala heiraten kirchlich, nachdem Galas erster Ehemann, der surrealistische Dichter Paul Eluard, verstorben ist.

1959: Dalí malt und collagiert 20 Illustrationen zu Alarcón's Novelle "El sombrero de tres picos" (Der Dreispitz). Sie werden – unter anderem für den exklusiven Buchclub „Nouveau Cercle Parisien du Livre“ – als Vielfarbendrucke reproduziert. Er erhält eine Audienz bei Papst Johannes XXIII. und arbeitet gemeinsam mit anderen Künstlern am zu dieser Zeit teuersten Buchprojekt, der „Apokalypse des Heiligen Johannes“. Für seine drei Motive zu diesem Buch lässt Dalí u.a. eine mit Nägeln gefüllte Bombe auf Kupferplatten explodieren und überfährt mit einer Dampfwalze eine Nähmaschine, die zwischen Kupferplatten liegt.

1960–1963: Die ursprünglich von der italienischen Regierung zum 700. Geburtstag Dantes 1965 in Auftrag gegebene umfangreiche Illustrationsarbeit Dalís, 100 Xylografien zu Dantes „Göttlicher Komödie“, erscheint zunächst in Frankreich. Der französischen Kunstbuchverlag Les Heures Claires, der die Rechte vom Verleger Joseph Forêt bekommt, gibt die Illustrationen als verkleinerte Vielfarbdrucke zusammen mit einer alten französischen Prosaübersetzung der "Göttlichen Komödie" heraus. Forêt selbst bringt 1963 eine Luxusausgabe mit 33 Exemplaren heraus. 1964 folgt eine italienische Buchausgabe mit denselben 100 Illustrationen in anderer Reihenfolge.

1963: Dalí veröffentlicht „Le Mythe tragique de l’Angélus de Millet“. Dalí beginnt, dem Bahnhof von Perpignan eine entscheidende Rolle in der Konstitution des Universums zuzuschreiben. Zudem werden naturwissenschaftliche Themen in Dalís Werk aufgenommen, wie beispielsweise die Doppelhelixstruktur der DNS.

1964: Dalí veröffentlicht „Das Tagebuch eines Genies“. Er wird von Königin Isabella von Spanien mit dem Großkreuz geehrt, der bedeutendsten spanischen Auszeichnung.

1968: Dalí kauft für Gala das Schloss Pubol in der Nähe von Figueras. Er muss sich jedoch stets anmelden und um Erlaubnis bitten, bevor er sie dort besuchen kann.

1969: Als etwas verkleinerte Lithographien nach Auarellvorlagen, mit schwarzem Aufdruck von Radierungen der seilspringenden Alice ('remarques'), entstehen die Illustrationen zu „Alice im Wunderland“ von Lewis Carrol. Dalí erschafft mit den Radierungen von der ersten Nachtszene über die Walpurgisnacht bis hin zu Mephistos Silhouette vor Gretchens Kerker seine Illustration zu Goethes „Faust“. Seine Popularität führt dazu, dass er z. B. Fernsehwerbung für Chocolat Lanvin gestaltet. Im Auftrag der französischen Eisenbahn S.N.C.F. entwirft Dalí eine Plakatserie zu Frankreichs Regionen, die als Lithografien verlegt werden.

1970: Dalí realisiert als großer Meister der Kaltnadelradierung die Serie von 21 Farb-Kaltnadelradierungen zum französischen Roman "Tristan et Iseut" (Tristan und Isolde).

1971: Eröffnung des Salvador Dalí Museums in Cleveland, Ohio, mit der Sammlung von E. und A. Reynolds Morse, das 1982 nach Saint Petersburg, Florida verlegt wird. Dalí gestaltet die limitierte Erstausgabe des Modemagazins „Scarab“ für das Modehaus Scabal und entwirft dabei die einer Schneiderpuppe nachempfundene Skulptur „Mannequin zootropique“. Als „Hommage an Dürer“ entsteht die Serie an Kaltnadelradierungen „Neue mythologische Folge“. Dalí gestaltet die Weihnachtsausgabe der französischen Zeitschrift „Vogue“.

1973: Dalí bringt seinen von ihm gestalteten Koffer mit Radierungen und dreidimensionalen Objekten unter dem Titel „Zehn Rezepte zur Unsterblichkeit“ heraus. Zudem entstehen die Lithografien zu Rabelais’ „Die tolldreisten Träume des Pantagruel“.

1974: Dalí eröffnet sein „Teatro Museo Gala Dalí“ in Figueras. Dafür stellt er die Kaltnadelserie „Nach 50 Jahren Surrealismus“ her. Seine Illustrationen zu „Die gelben Liebschaften“ von Tristan Corbière entstehen.

1982: Am 10. Juni stirbt Gala. Im Juli wird Dalí von König Juan Carlos der Titel Marqués de Púbol i Figueras verliehen. Er lebt von nun an auf Schloss Pubol.

1983: im Mai malt Dalí sein letztes Bild „Der Schwalbenschwanz“.

1984: Dalí erleidet bei einem Zimmerbrand im Schloss Pubol schwere Brandverletzungen.

1989: Am 23. Januar stirbt Dalí an Herzversagen im Torre Galatea, dem Turm seines Museums in Figueras, den er seit dem Brand im Schloss Pubol bewohnte. Er wird auf seinen Wunsch in der Krypta des Museums beigesetzt. Dalí vermacht in seinem Testament sein gesamtes Vermögen und sein Werk dem spanischen Staat.